Das perfekte Interview: was Medientraining bieten muss

Im Grunde genommen ist der Fahrplan für das perfekte Interview recht einfach. Und damit auch der Menüplan eines gelungenen Medientrainings. Um ein guter Interviewpartner zu sein, beachten Sie diese vier Säulen.

1. Machen Sie sich be-MERK-bar.

Wir Menschen brauchen gute Geschichten. Wir lieben Sie. Und deshalb lieben Journalisten gute Geschichten – weil das letztlich das Produkt ist, das sie verkaufen. Seien Sie also verständlich, lassen Sie Fachvokabular weg, erzählen Sie in einer Art und Weise, die die Amerikaner „conversational“ nennen. Das ist so, als würden Sie ganz normal mit jemandem reden, auch wenn Sie davor natürlich überlegt haben, was Sie sagen werden. Machen Sie den Test: Erzählen Sie Ihre Story einem guten Freund. Oder noch besser: Einem Kind oder Teenager – das sind die gnadenlosestes Feedbacker, die es gibt.
Achja: Meines Erachtens besteht das perfekte Interview  zu  90% aus einer gründlichen Vorbereitung! (Oder wie Rudi Carrell gesagt hat: „Witze kann man nur aus dem Ärmel schütteln, wenn man sie vorher reingesteckt hat.“)

2. Das perfekte Interview ist kurz. Kommen Sie zum Punkt!

Journalisten haben sie immer weniger. Wir alle haben sie immer weniger. Und kostbar ist sie obendrein: Die Zeit. Statements in journalistischen Beiträgen – egal ob Radio, TV, Print oder online – dauern heute in der Regel zwischen 3 und 30 Sekunden. Wenn Journalisten etwas hassen, dann ist es langes Geschwafel. Üben Sie immer wieder knackige Antworten, die auf den Punkt kommen. Achtung: Wenn sie nur 5 Sekünder von sich geben, wirken Sie eigenartig und unkommunikativ (selbst wenn nicht mehr gesendet wird – aber dem Journalisten gegenüber). Nehmen Sie sich die 20-30 Sekunden. Und auch im Live Interview bleibt nicht mehr Zeit. Sie werden nicht geschnitten, sondern unterbrochen. Wenn ein Interview länger ist, steigt eher die Menge der Antworten, weniger die Länge.

3. Bleiben Sie sich treu.

Wir wollen echte Menschen erleben, keine Wording-Aufsag-Maschinen. Erzählen Sie so authentisch als nur irgend möglich. Und wenn Sie skurrile Tipps hören wie: „Sehen Sie den Journalisten nicht an“ oder „Sagen Sie 30 Sekunden lang nichts“ und sich damit nicht wohl fühlen. Tun Sies nicht!

4. Kennen Sie die Regeln.

Trotzdem ist es wichtig, die Regeln zu kennen. Machen Sie sich schlau, wie Journalisten arbeiten, wie Redaktionssitzungen laufen. Wie Beiträge erstellt werden. Was Journalisten glauben und was nicht. Es macht Sinn zu wissen, wie journalistische Tricks funktionieren und wie man damit umgeht. Ein Beispiel: Wenn man Ihnen negative Formulierungen in den Mund legt, wiederholen Sie diese nicht. Denn die Verneinung vor dem negativen Wort wird von den Konsumenten nicht wahrgenommen. „Ich bin kein Lügner!“ klingt schlechter als „Ich sage die Wahrheit.“

Und dann gilt es nur noch, die Inhalte richtig zu wählen für das perfekte Interview. Nehmen Sie folgende Guide Line zur Hand. Ihre Inhalte sollten entweder:

  1. News bieten Alles was neu ist, funktioniert. Neue Studie, neues Medikament, neuer Trend, neue Einsicht, neuer Standort…
  2. Use Bieten Sie Tipps, Anwendungsbeispiele, konkret brauchbaren Nutzen. Machen Sie mein Leben leichter: Wie man richtig anlegt, baut, gesund bleibt, isst, Sex hat, liebt, lebt…
  3. Emotion Bieten Sie etwas zum schmunzeln, lachen, weinen, hoffen, freuen, ärgern, reiben. Aber bitte. Bitte. Seien Sie nie fad!
  4. Relevanz Überlegen Sie gut, ob das, was Sie sagen für Ihre Zielgruppe relevant ist. Je weniger relevant es ist, umso deutlicher müssen die Punkte 1-3 sein.

Und die ganz großen Könner verbinden alles miteinander in das perfekte Interview.

Und das bedenken Sie bitte auch noch:

  • Machen Sie sich vor einem Interview klar, welche Rolle Sie spielen werden. Interviewt man Sie als Experten, der etwas erklärt? Als Bösewicht, der etwas angestellt hat? Als Betroffenen? Interessiert man sich für Ihre Erklärung, Ihre Rechtfertigung oder einfach nur für Sie als Mensch?
  • Ich sage es noch mal: Vorbereitung ist das Um und Auf! Finden Sie Ihre Kerngeschichte, die wichtigste Botschaft, die Beispiele, Allegorien und Stories.
  • Der Recheck. Passt alles auf ein Blatt Papier? Passt alles in einen Satz, in 20 Sekunden? Versteht ein völliger Laie ohne Hintergrund Ihre Geschichte?
  • Zuletzt: Bleiben Sie gelassen, nehmen Sies nicht persönlich. Journalisten machen ihren Job. Sie sind heute die Story, morgen kommt der nächste usw. Ja, Journalisten vermengen Dinge und vermischen. Sie sind immer öfter immer schlechter vorbereitet. Werfen Sie Ihnen das nie vor! Sie machen ihren Job. Machen Sie Ihren.

Ich hoffe ich konnte Ihnen ein paar Tipps für das perfekte Interview mitgeben. In meinem kostenlosen E-Book “17 Best-Practice-Tipps zum Thema Medientraining” erfahren Sie sehr ausführliche Tipps und Ratschläge zum Thema Medientraining. Sie können es hier herunterladen:

2018-11-11T07:00:35+00:00

Georg Wawschinek

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